Heimatverein Kohlscheid 1932 e. V.
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Historie Kohlscheids bis 1908

 

Leider haben wir keine stolzen Burgen aufzuweisen. Mittelalterliche Urkunden fehlen auch. Doch belegen einige Funde von Steinzeit-Werkzeugen im Ortsbereich und im Wurmtal, dass in der Frühzeit Menschen hier in der Gegend lebten. Die Kelten wussten bereits das Galmei- und Bleivorkommen der Region zu nutzen. Der Name der Wurm stammt bekanntlich aus dem Keltischen und bedeutet so viel wie „warmer“ Bach. Die Römer hinterließen ihre Spuren. So wurden z.B. in Richterich und Mittel-Fronrath, je ein römisches Grab sowie Tongegenstände und Münzen gefunden, und im Bereich Bank waren es Tassen und Henkelkrüge.

Etwa um 1030 gehörte das Kohlscheider Gebiet zu den Besitzungen des Aachener Pfalzgrafen Hermann Hezelo (Richterich). Von 1140-1225 war es Lehen der Grafen von Heinsberg. Die Gegend war stark landwirtschaftlich geprägt. Folgende Höfe und Weiler wurden schon früh genannt: Horbach 1073, Oberfronrath 1112, Berensberg 1150, Geuchter Hof 1240, Mühlenbach 1241, Schönau 1280, Wilsberg, Ürsfeld und Biesenhecken 1290, Heyden 1288 (1303), Bank 1361, Forensberg 1365.

Die Burg Heyden kam 1361 als Pfand an die Grafen von Jülich. Herzog Wilhelm II setzte Gothard von Bongart als Herrn auf Heyden ein und bildete aus den Orten Richterich, Horbach, Bank, Berensberg und Eygelshoven die Unterherrschaft Zur Heyden. Diese bestand bis zum Einmarsch der Franzosen 1794.

1524 tauchte erstmals schriftlich die Bezeichnung „Scheit“ auf, dabei handelte es sich um den Bereich der heutigen Südstraße, etwa ab Kaiserstraße bis zum Markt. Scheit bedeutet Grenze, aber auch Höhenrücken, in unserem Fall also zwischen dem Wurmtal im Osten und dem Amstelbach im Süden. Später wurde das „Ländchen“ in Quartiere aufgeteilt. Laut dem Protokollbuch von 1647 bestanden folgende Quartiere: Eygelshoven, Horbach, Richterich, Scheit (Scheid), Klinkheide und Bank. Wegen zunehmender Bevölkerung und dem Aufschwung des Kohlebergbaus wurden Scheid und Klinkheide zu je einem Quartier neben Pannesheide, Rumpen und Hasenwald (Berensberg) erhoben. Im 18. Jahrhundert setzte sich inoffiziell bereits der Name Kohlscheid (statt Scheit/d) durch. Bis heute zu geht man hier zum Zentrum „no der Scheet“ oder „op der Scheet“.

Die Franzosen leiteten eine Neu-Organisation der Verwaltung ein: Aus der Herrschaft Heyden wurde die Gemeinde „Pannesheyd“, dazu gehörten Kohlscheid, Klinkheide, Pannesheide, Gracht, Kesseles, Rumpen, Berensberg und Hasenwald. Das Ganze wurde in das Departement de la Roer eingefügt.

Nach dem Wiener Kongress 1815 kamen wir zu Preußen. Der Landkreis Aachen wurde gegründet. Die genannten Orte legte man zur Bürgermeisterei Heyden zusammen. Ab 1849 wurden die Spezialgemeinden Pannesheide und Richterich eingerichtet, in Personal-Union von einem Bürgermeister in Richterich verwaltet, mit beigeordneten Bürgermeistern in den einzelnen Ortsteilen. Von 1886 bis 1905 war Freiherr von Broich zu Haus Schönau aus Richterich (ehrenamtlich) tätig. Seit 1904 hielt der Gemeinderat seine Sitzungen bereits in Kohlscheid ab. Wegen des Siedlungs-Schwerpunktes und des Sitzes von Bergbau und der übrigen Industrie (Nadeln, Zigarren) versuchte man seit 1905, eine Änderung des Gemeinde-Namens in Kohlscheid zu erreichen. Der Regierungs-Präsident gestattete im gleichen Jahr eine Verlegung des Sitzes des Bürgermeisteramtes für die Gemeinde Pannesheide nach Kohlscheid (Weststraße 44). Ab dem 3.4.1906 wurde Josef Lambertz als kommissarischer Bürgermeister, hauptamtlich, eingeführt. Zu dieser Zeit begann man ebenfalls mit den Vorarbeiten zum Bau eines eigenen Rathauses. Dieses wurde in den Jahren 1907/08 in der Kaiserstraße nach Plänen des Aachener Regierungsbaumeisters Schmidt erstellt.

Am 16. Januar 1908 schließlich fasste der Gemeinderat dann den Beschluss, sich an den Minister des Inneren zu wenden, um die Umbenennung von Pannesheide in Kohlscheid zu erreichen. Der Kaiser stimmte am 29. September des gleichen Jahres zu.

 

 

Zusammenstellung Karin Busch, Heimatverein Kohlscheid Fassung 1/2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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