Die Grube Kämpchen
Der Steinkohlenbergbau hat die Entwicklung Kohlscheids über viele Generationen hinweg geprägt. Die Grube Kämpchen gehörte zu den historischen Bergbaustandorten der Region. Ihre Geschichte erzählt von der Gewinnung des wichtigen Energierohstoffs, dem Wandel der Arbeitswelt und der Veränderung eines ganzen Ortsbereichs.
Von den frühen Gruben zum industriellen Bergbau
Die Ursprünge des Bergbaus in Kämpchen reichen bis in die frühe Neuzeit zurück. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich die Abbaumethoden und die technischen Möglichkeiten. Aus kleineren Gruben entwickelte sich schrittweise ein stärker organisierter Bergwerksbetrieb.
Ein wichtiger Einschnitt war das Jahr 1836, als die Grube Kämpchen in den Besitz der Vereinigungsgesellschaft überging. Der Ausbau der Verkehrswege verbesserte später den Abtransport der Kohle. 1853 erhielt Kämpchen einen Eisenbahnanschluss. Damit war das Bergwerk unmittelbar an das wachsende Eisenbahnnetz angebunden.
Ein Standort mit industrieller Bedeutung
Zum Bergbaubetrieb gehörten nicht nur die Anlagen zur Kohleförderung. Auch technische Einrichtungen und Werkstätten waren für den Betrieb der Gruben von großer Bedeutung. Sie ermöglichten die Instandhaltung der Maschinen und unterstützten die Versorgung mit benötigtem Betriebsmaterial.
So war Kämpchen teilweise mit Abgunst verbunden und Teil einer regionalen Bergbaulandschaft, in der Förderung, Technik und Transport eng miteinander verbunden waren.
Das Unglück von 1861
Ein besonders trauriges Kapitel ereignete sich am 9. März 1861. Bei einem Tagesbruch in der Nähe der Grube kamen 18 Menschen ums Leben. Frauen, Kinder und weitere Personen hatten Kohlestücke aus dem Abraum gesammelt, um sie als Brennmaterial zu nutzen. Der Boden brach plötzlich ein und begrub die Menschen unter sich.
Der Gedenkstein an der Südstraße 177 erinnert an die Opfer dieser Katastrophe. Er mahnt uns, auch die schwierigen Lebensbedingungen der damaligen Bevölkerung nicht zu vergessen.
Werkstätten und Gießerei
Kämpchen war nicht allein ein Ort der Kohleförderung. Auf dem Grubengelände entstanden zentrale Werkstätten der Vereinigungsgesellschaft. 1873 wurde dort eine eigene Gießerei eingerichtet. Maschinen und Betriebsmittel wurden repariert, Ersatzteile und weitere Ausrüstungsgegenstände hergestellt. Zeitweise fanden rund 100 bis 120 Beschäftigte in den Werkstätten Arbeit.
Damit war die Grube auch für Handwerker und Facharbeiter ein wichtiger Arbeitgeber.
Das Ende der Förderung
1914 wurde die Kohleförderung in Kämpchen von der Grube Laurweg übernommen. Damit endete ein bedeutender Abschnitt der eigenständigen Bergwerksgeschichte. Die Gebäude auf dem Gelände blieben zunächst erhalten und wurden teilweise einer neuen Nutzung zugeführt.
In den Jahren 1920 bis 1929 entstanden in ehemaligen Betriebsgebäuden Wohnungen für Bergarbeiter. Auch eine kleine Gemeinschaft von Franziskanerinnen fand dort eine Wirkungsstätte. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte veränderte sich das Gelände grundlegend. Ab Mitte der 1960er-Jahre wurden die verbliebenen Gebäude nach und nach abgebrochen.
Erinnerung an die Grube Kämpchen
Heute ist von den einstigen Betriebsanlagen nur wenig erhalten. Einzelne Schachtsicherungen und die historische Entwicklung des Geländes erinnern noch an die Bergbauvergangenheit.
Die Geschichte der Grube Kämpchen ist ein Teil der Geschichte Kohlscheids. Sie macht deutlich, wie sehr der Bergbau die wirtschaftliche und soziale Entwicklung unserer Heimat beeinflusst hat. Diese Vergangenheit zu erforschen und für kommende Generationen zu bewahren, bleibt eine wichtige Aufgabe der Heimatpflege.