Heimatverein Kohlscheid 1932 e.V.
Heimatverein Kohlscheid 1932 e.V.
Heimatverein Kohlscheid 1932 e.V.
Kohlscheider Geschichte bewahren – Heimat erleben

Einmalige Postkarte aus Kohlscheid von 1889

Seltenes Zeugnis der Wirtschafts- und Postgeschichte entdeckt

Im Archiv des Heimatvereins befindet sich ein außergewöhnliches Dokument: eine bislang einzigartige Postkarte aus Kohlscheid vom 22. Januar 1889. Die nur 9,2 x 13,9 Zentimeter große 5-Pfennig-Ganzsache eröffnet einen faszinierenden Einblick in den Geschäftsalltag des späten 19. Jahrhunderts und dokumentiert zugleich ein interessantes Stück lokaler Postgeschichte.

Besonders bemerkenswert ist der deutlich abgeschlagene Poststempel mit der historischen Schreibweise des Ortsnamens „Kohlscheidt“. Diese alte Namensform verschwand später aus dem offiziellen Sprachgebrauch und macht die Karte auch für Heimat- und Postgeschichtsforscher zu einem wertvollen Beleg.

Absender der Karte war die Kohlscheider Aktiengesellschaft „Selbsthilfe“, ein Unternehmen, das Konsumartikel vertrieb. Die Karte richtete sich an die Seifenfabrik Mäurer & Wirtz, deren Nachfolgeunternehmen heute als Teil der Dalli-Group (Quelle wikipedia) bekannt ist.

Der Inhalt der Postkarte befasst sich mit einer geschäftlichen Reklamation: Die „Selbsthilfe“ beanstandete eine Lieferung von Ölseife, die nach ihrer Auffassung um 30 Pfennig zu hoch berechnet worden war. Das Unternehmen teilte mit, den Rechnungsbetrag lediglich in der Höhe des für das Jahr 1889 vereinbarten niedrigeren Preises beglichen zu haben. Die Karte dokumentiert damit einen alltäglichen, aber selten überlieferten Vorgang aus der damaligen Geschäftswelt.

Interessante Details finden sich auch auf der Empfängerseite. Dort notierte der Empfänger die Firmenbezeichnung in verkürzter Form als „Actien-Gesellschaft Selbsth.“. Unterzeichnet wurde die Karte hingegen mit den Worten „die Faktorei“, einer damals gebräuchlichen Bezeichnung für die Verwaltungs- oder Geschäftsstelle eines Unternehmens.

Für Historiker und Sammler besitzt die Karte gleich mehrere Besonderheiten: Sie verbindet lokale Wirtschaftsgeschichte, Unternehmensgeschichte und Postgeschichte in einem einzigen Dokument. Nach bisherigem Kenntnisstand handelt es sich um ein weltweit einmaliges Stück, das weder in öffentlichen Sammlungen noch in der einschlägigen philatelistischen Literatur nachgewiesen werden konnte.

Mit diesem seltenen Zeitzeugnis bewahrt der Heimatverein nicht nur ein Stück Kohlscheider Geschichte, sondern auch einen authentischen Einblick in die Geschäftsbeziehungen und Kommunikationswege des Jahres 1889 – einer Zeit, in der selbst eine Beanstandung über 30 Pfennig noch ihren Weg auf einer Postkarte fand.

Zur Geschichte. Am 21. Februar 1870 gründeten Kaufleute die Kohlscheider Gesellschaft Selbsthilfe. Zweck der Gründung ist es, den Mitgliedern Lebensmittel und Gebrauchsartikel des täglichen Bedarfs in guter Qualität und zu angemessenen Preisen gegen bar zu verkaufen. 1936 – das entscheidende Jahr für HILLKO. Auf der außerordentlichen Gesellschafterversammlung vom 25. November 1936 wird beschlossen: Der Name der Gesellschaft lautet nunmehr M. Hillenblink & Co. (Quelle Josef Aretz).

Bildunterschrift:
Die einmalige Postkarte vom 22. Januar 1889 aus Kohlscheid dokumentiert eine Reklamation der Kohlscheider Aktiengesellschaft „Selbsthilfe“ an die Seifenfabrik Mäurer & Wirtz und trägt den seltenen Poststempel mit der historischen Ortsbezeichnung „Kohlscheidt“.