Oststraße Volksgartengarten
Folgt man der Oststraße, liegt rechts die Restfläche des einst so bekannten Kohlscheider Volksgartens, im Volksmund auch "Lustgarten" genannt. Heute fällt zuerst die hier vorgenommene Friedhofserweiterung auf.
Nach 1817 ist der heutige Volksgarten das Betriebsgelände der Grube Langenberg. Dabei ist zu beachten, daß dieses Gelände bis an den alten Straßenverlauf heranreicht, und daß es sogar die Straße östlich der alten S-Kurve noch überschreitet. Im Bereich des Volksgartens liegen, wenn wir vom Markt her kommen, der Förderschacht Theresia und der Kunstschacht Carl. Bezogen auf den heutigen Straßenverlauf, gibt es bis zur Höhe des Nachtigallenwäldchens jenseits der Straße noch den Franzschacht sowie einen noch wesentlich älteren Schacht, der namenlos bleibt. Wegen der schlechten Kohlenqualität, aber auch, weil die Ausrichtungsarbeiten ohne positives Ergebnis bleiben, nimmt Langenberg im Jahre 1843 eine neue Anlage an der heutigen Straßeneinmündung Oststraße / Am Langenberg in Betrieb. Das aufgegebene Betriebsgelände an der unteren Oststraße, größtenteils im Grundeigentum der Gemeinde, wird nicht rekultiviert und trägt bald den Namen "Wildnis".
Vor 1825 steht nördlich des Grubengeländes bereits eine Vogelstange. Um 1850 haben die St.-Sebastiani-Schützen des ehemaligen Ländchens zur Heyden in der Nähe der heutigen Turnhalle (Oststraße) ihren Schießplatz. Sie verlegen ihn 1869 in die "Wildnis". 1891 erhält auch der Kriegerverein die Erlaubnis, auf dem ehemaligen Langenberger Betriebsgelände eine Vogelstange aufzustellen.
1902 ist der größte Teil des Geländes noch immer mit Bergen der Grube Langenberg bedeckt und liegt, abgesehen von den beiden Schießständen, brach. Wiederholt gibt es deswegen Unstimmigkeiten zwischen der Gemeinde und der Vereinigungs-Gesellschaft. Im Juni 1902 ist diese Gesellschaft bereit, das Gelände nach eigenen oder nach Plänen der Gemeinde zu einem Volksgarten umzugestalten und es an die Gemeinde zurückzugeben. Die Gesellschaft will nur noch die mit einer Hecke umgebene Parzelle, den Garten mit dem "Heere-hüßje", in Pacht halten. Im Frühjahr 1903 ist die Maßnahme abgeschlossen. Bürgermeister Freiherr von Broich, der Gemeinderat und Direktor Klemme von der Vereinigungs-Gesellschaft besichtigen den neuen, schmucken Volksgarten am 1. Juli 1903. Manch größere Gemeinde kann einen solchen nicht aufweisen. Hier gibt es neben einem Springbrunnen auch noch einen Pavillon mit einer Mineralwasser-Verkaufsstelle. In den nächsten Jahren finden im Volksgarten die großen Feste der Vereine statt.
1909 beschließt der Gemeinderat, hier eine große Schießanlage zu bauen, womit dann die Schießstände der Schützen und des Kriegervereins wegfallen können. Im Juni 1910 ist die Anlage fertig. Hier gibt es neben einer Vogelstange noch eine Schießhalle, von der aus geschossen werden kann. Es stehen ein Schießstand von 50 m Länge und einer von 100 m Länge zur Verfügung; auf jedem können vier Schützen gleichzeitig schießen. Außerdem gibt es einen Revolverschießstand. Im Ersten Weltkrieg nutzen die in Kohlscheid stationierten deutschen Soldaten diese Stände. Nach dem Kriege weist die Anlage, da kaum gewartet, erhebliche Schäden auf. Die Besatzung verbietet eine weitere Nutzung - 1924 sind die Anlagen demontiert. Die Fundamente bleiben für die nachwachsende Jugend, die den Stand nicht mehr kennenlernt, geheimnisumwittert, sie nennt sie "Zeppelinshalle".
Nach dem Ersten Weltkrieg sind im Volksgarten die großen Maifeiern, von der SPD in Verbindung mit den freien Gewerkschaften organisiert. 1922 wird im Volksgarten der Springbrunnen entfernt, im gleichen Jahre auch die Trinkhalle, die nun am Altersheim als Abstellraum genutzt wird. Damit haben die großen Tage des Volksgartens ihr Ende gefunden. Er wird nun nur noch vorzugsweise von Spaziergängern genutzt.
Die Gemeinde bereitet 1937 Pläne zu einer Umgestaltung des Volksgartens vor, im März 1939 sind die Arbeiten abgeschlossen. Notwendig werden sie, weil die neue Straßenführung der Oststraße ein großes Stück des Gartens vernichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Gemeinde immer große Mühe gegeben, die Anlagen aufzuarbeiten. Doch wegen der nur noch beschränkten Fläche sind die Ergebnisse nicht immer zufriedenstellend. Der schöne und artenreiche Baumbestand bleibt erhalten.
1980 beginnen Überlegungen zur Erweiterung des Friedhofes. Man kann nach entsprechenden Bodenuntersuchungen auf Volksgartengelände zurückgreifen und sieht insgesamt 582 neue Grabstätten vor. Ein Urnenfriedhof befindet sich im "Halbmond". Als vor 1816 der Förderschacht der Grube Langenberg am tiefsten Punkt des Nachtigallenwäldchens steht, hebt man über eine schiefe Ebene durch einen mit Pferdekraft betriebenen Göpel einen Teil der Kohlen bis zur Höhe des heutigen Volksgartens, weil hier die Lademöglichkeiten für die Abnehmer günstiger sind. Dieser Pferdegöpel hat seinen Platz in dem Rondell, das heute "Halbmond" genannt wird.