Heimatverein Kohlscheid 1932 e.V.
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Kohlscheider Geschichte bewahren – Heimat erleben

Südstraße Teil1

Der Name Südstraße ist noch jung; er kommt schriftlich erstmals 1905 vor. Die Südstraße ist in ihrem oberen Teil die alte Ortslage Scheit, die 1524 in einer Urkunde erwähnt wird. Aus dem Jahre 1569 rührt die nächste Nachricht her. Aus ihr erfahren wir die genaue Lage des Scheits. Der von Janson Fries gezeichnete Plan der Stadt und des Reiches Aachen führt die Südstraße auf; sie heißt hier "rain an den Scheit" und führt zum "Scheit", dem Gelände im Bereiche des Marktes.

Die 1927 und 1936 veröffentlichten Deutungen des Namens "Scheid" für Kohlscheid dürften nicht zutreffend sein. Scheid, auch Scheet, bedeutet zwar Grenze und Scheide, aber auch Bergriegel, womit allerdings Waldgrenzen gemeint sind. Mit Scheid werden aber auch die bewaldeten oder die ehemals bewaldeten Erhöhungen zwischen zwei Tälern bezeichnet. Selbst dies könnte für Kohlscheid zutreffen, liegt doch der "Scheid" etwas erhöht zwischen dem Amstelbachtal im Westen und dem Wurmtal im Osten. Der Scheid ist mehr als wahrscheinlich der sich bis zur heutigen Südstraße erstreckende, bewaldete Wurmtalhang, der auf der Höhe, dem "rain an den Scheit", in den Scheidter Driesch übergeht. Rain heißt Grenze.

Auch heute noch heißt es, geht man zur Südstraße oder nach Kohlscheid: "Wöör jönt no dr Scheet." Ist man im Ort oder in der "Gemeinde Kohlscheid", heißt es: "Nuu sönt wöör op dr Scheet." Zu beachten ist, daß es auch heute noch immer "Op dr Scheet" heißt, dabei also eine Höhe(nlage) angegeben wird, genau wie 1770, als man in Zusammenhang mit den Bockreitern zwar von einem "Cornellis aus Klinkheide", gleichzeitig aber von einem "Joseph op dem Kohlscheydt" spricht.

Am 10. April 1767 fertigte Alexander Peter Spiertz, vereidigter Geometer der Herrschaft Heyden, eine Urkunde von der Vermessung des Grundstücks für den Bau der Kapelle auf dem Kohlscheider Markt an. Hier heißt es: "... gelegen im Dorfe Kohlscheyd einerseits an der Weinstraße und andererseits an der Nachbarstraße." Die Weinstraße ist die heutige Südstraße, die Nachbarstraße der heutige Markt mit seiner Verlängerung Am Langenberg. Derzeit gibt es keine gültige Erklärung für den Namen Weinstraße.

1872 heißt die heutige Südstraße noch Kohlscheider Dorfstraße. Auf ihr darf in diesem Jahre vom Markt aus eine Pferdeeisenbahn zur Grube Hankepank angelegt werden; die Pferdebahn verbindet Hankepank mit den Gruben Langenberg und Laurweg. Die "Vereinigungs-Gesellschaft für Steinkohlenbau im Wormrevier" muß als Gegenleistung ihre projektierte Wasserleitung an drei Stellen mit Wasserständern ("Piifjere") versehen, damit die Bevölkerung aus ihnen Wasser entnehmen kann. 1895 heißt die Südstraße dann Hauptstraße.

Im Jahre 1900 ist in Zusammenhang mit der Planung der Aachener Kreisbahnen vorgesehen, über die Südstraße die Ortschaften Berensberg und Klinkheide anzuschließen. Doch die Kreisbahnen werden nicht realisiert. 1902 wird beschlossen, eine Zweigbahn der Kleinbahn von der Roermonder Straße über die Kaiser- und Südstraße zum Markt zu führen (siehe: Kaiserstraße, Markt). 1904 sind die Arbeiten am Gleiskörper der Linie 29 abgeschlossen.

In amtlichen Verlautbarungen heißt die Straße 1902 Dorfstraße; seit 1905 hat sie ihren jetzigen Namen.

1907 wird nicht nur beschlossen, die Südstraße vom Dreieck bis zur Gießerei Hoenen (Annastraße) zu pflasteren, in der Südstraße wird auch in jenem Jahre eine öffentliche Fernsprechzelle eingerichtet. Wahrscheinlich ist sie im Bereich des damaligen Verwaltungssitzes der Gemeinde, Südstraße 106. 

Nach dem Ausbau der Josef-Lambertz-Straße ist wegen des immer dichter werdenden Autoverkehrs - seit Rosenmontag 1952 belastet auch noch die nach Klinkheide führende Omnibuslinie die Straße - eine Einbahnstraßenregelung für die Südstraße möglich. 

Das zwischen Markt und Kaiserstraße westlich der Südstraße liegende und bis zum Laurwegsfeld reichende Areal wird 1669 bereits "Scheiter Driesch" genannt. Driesch, oder Dresch, bedeutet Brachfeld, Brachland, Gemeindeland. Hier liegen 1609, heute zwischen Südstraße und Einsteinstraße, Grubenschächte der Drieschkaulen. Auch zu Beginn des 18. Jahrhunderts wird hier wieder gefördert, nun durch eine Langenberger Gewerkschaft unter Joisten. Ein Schacht von Joisten liegt unmittelbar nördlich der Mörikestraße in den zur Südstraße gehörenden Hausgärten.

Die Straßeneinmündung Südstraße/Kaiserstraße wird "Am Dreieck" genannt; diesen Namen trägt auch die dortige Gaststätte (ehemals: "Engels Schängche"). Die Einheimischen nennen die Straßeneinmündung "et Dreijkäntche", Ende des 19. Jahrhunderts als "Dreikänkge" aktenkundig. 1898 wird durch den Gemeinderat festgelegt, daß die Grenze zwischen Vorscheid und Kohlscheid am "Dreikengehen" verlaufen soll. Hier befand sich vor/um 1810 ein Schacht der Grube Langenberg, 1825 noch unter dem Namen Sattelschacht bekannt.

Bis vor wenigen Jahren gab es auf dem Grundstück Einerhand ("Eenerhands Tringche", Südstraße 148) noch einen Brunnen, der ein beträchtliches Alter hatte. Der "Pötz" war an die 20 m tief und lieferte gutes Wasser. Zwei Eimer Wasser, sie wurden durch einen Eisenring auf Abstand gehalten, waren eine "Faat Pötz".